Eine kurze Darstellung des Projektes der „Mobilen Klinik“ in der Ukraine

 

Im Zusammenhang mit unserer medizinischen Nothilfe im Osten der Ukraine seit Sommer 2022 ist von den ukrainischen Kollegen die Frage nach dem Wiederaufbau einer ambulanten medizinischen Basisversorgung in zerstörten Gebieten an uns gestellt worden. 

 

 

Vorgeschichte: 

Die bereits vor dem Krieg strukturschwache Region Wyshgorod im Norden des Oblast Kiew wurde ab dem 24.2.2022 von russischen Truppen überrannt. Der Vormarsch und die Luftlandungen konnten erst kurz vor Kiew gestoppt werden. Nach Wochen heftiger Kämpfe mussten sich die russischen Truppen vollständig unter Hinterlassung weitgehender Zerstörung und Plünderung der Infrastruktur zurückziehen, medizinische Einrichtungen wurden gezielt zerstört. Seit über neun Monaten finden in dem gesamten Gebiet keine Kämpfe mehr statt, Raketenangriffe sind sehr selten, da das Gebiet „nichts zu bieten“ hat. Allerdings gibt es dort auch keine medizinische Versorgung mehr.

 

Es handelt sich um einen Flächenlandkreis mit dünner Besiedlung und einigen Siedlungsschwerpunkten. Die Einwohnerzahl betrug vor dem Krieg etwa 130 000 Einwohner. 

 

 

Aber auch unser Landkreis ist vom Krieg in der Ukraine betroffen. Flüchtende Familien finden Zuflucht, mit unzähligen Sach- und Geldspenden versuchen Bürger des Landkreises die Not in den betroffenen Gebieten zu lindern, psychisch sind viele Menschen zutiefst verunsichert. 

In Arztpraxen wird eine Vielzahl von ukrainischen Familien medizinisch betreut, auch hier landen viele Spendenaufrufe. 

 

 

Gemeinsame Planungen:

Der ehemalige Versorgungsarzt des Landkreises in der Coronapandemie, Dr. Lohse ergriff im Herbst 2022 die Initiative und versucht diese Hilfsmaßnahmen im Bereich der medizinischen Unterstützung durch die Arztpraxen zu koordinieren. 

So entstand in den letzten Monaten ein Netzwerk innerhalb des Landkreises, was nun zur Gründung der „medizinischen Nothilfe Oberland e.V.“ geführt hat. 

Um konkrete, kontrollierbare und nachhaltige Hilfe zum Wiederaufbau zu leisten, wurde gezielt nach einer vertrauensvollen ukrainischen Partnerschaft gesucht und im Sheptytsky Krankenhaus in Lemberg mit seinem Direktor Dr. Andriy Lohin gefunden. Gemeinsam mit der Bayerischen Ostgesellschaft, einem gemeinnützigen Verein, der seit 50 Jahren versucht, die Völkerverständigung mit den Bürgern der ehemaligen Sowjetunion zu stärken, entstand das Konzept der „mobilen Klinik“.

Mit dieser Art von Einrichtung, die sich in ähnlicher Weise schon in vielen Krisenregionen mit desolater medizinischer Versorgung bewährt hat, soll eine begrenzte Region wieder ambulant versorgt werden. 

Als Einsatzregion wurde der Norden der Ukraine gewählt, das Gebiet zwischen Kiew und Tschernobyl der Landkreis Vyshgorod), eine zerstörte Region, in der zu Beginn des Krieges intensive Kämpfe tobten. 

 

 

 

Konkrete Planungen: 

Für die Mobile Klinik wird ein Team aus verschiedenen ukrainischen Fachärzten mit Krankenpflegepersonal und Fahrern zusammengestellt. Dieses Team wird medizinisch mit apparativer Ausrüstung zu Diagnostik und Behandlung der häufigsten Erkrankungen ausgestattet. Das Mobile Team agiert von einer festen Basis in Borodjanka aus. Diese Basis liegt im Einsatzgebiet, 60 Kilometer nordwestlich von Kiew. 

 

Das Team ist mit seinen Transport- und Ambulanzfahrzeugen auf Straßen beweglich und kann in kurzer Zeit einen Behandlungspunkt an vorbereiteter Stelle aufstellen. Mit Ambulanzen erfolgen von dort aus Transporte zum Behandlungspunkt oder ggf. für Schwerkranke ein Transfer in eine weiter entfernt gelegene Klinik. Sammeltaxis können die eingeschränkt mobilen Patienten holen/bringen. 

Die Kommunen der Region benennen Behandlungspunkte für das Mobile Team, an dem die Patienten dieser Kommune nach einem vereinbarten Fahrplan visitiert werden. An den Behandlungspunkten werden vorhandene Räume genutzt - Gemeindesaal, Fabrikhallen oder Kirchen. Besteht diese Möglichkeit nicht, so stünden als Alternative große Behandlungszelte bereit. 

 

Die Mobile Klinik befindet sich bereits im Aufbau: 

Fahrzeuge sind bereits vorhanden, die medizinische Ausrüstung wird derzeit zusammengestellt und ist zum größten Teil ebenfalls bereits vorhanden. Für den laufenden Betrieb sind Kontakte zum Pharmavertrieb aufgebaut worden, die eine übergangsweise Medikamentenversorgung sichern. 

Nachdem nun all diese Vorbereitungen nahezu abgeschlossen sind, beginnen im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen Sammelaktionen für dieses Projekt, um die finanzielle Ausstattung zu sichern. 

Dazu hoffen und vertrauen wir auf die Unterstützung unserer Mitbürger!

 

 

Ziele des Projektes:

Dieses Projekt soll in verschiedene Richtungen wirken: Zuallererst soll den betroffenen Personen vor Ort geholfen werden, die ohne angemessene medizinische Versorgung sind. 

Auch soll geflüchteten Familien wieder eine Perspektive geschaffen werden, da sie in ihrer Heimat wieder wesentliche Elemente einer Infrastruktur finden werden und zurückkehren können. 

Den Ärzten und Krankenschwestern vor Ort soll geholfen werden, wieder ihren Beruf angemessen und auf hohem Niveau fortzuführen. 

 

Nicht zuletzt soll auch uns geholfen werden, da uns ein solches Projekt der konkreten und sichtbaren Hilfe am Menschen aus der lähmenden Hilflosigkeit und Resignation eines solch zerstörerischen Krieges zu befreien hilft. 

 

 

 

Ausblick:

Diese Einrichtung wird in das reguläre ukrainische Gesundheitssystem übernommen, wenn sechs Monate der Bedarf und die Funktion des Konzeptes durch Einschreibung der betreuten Patienten  bewiesen wird. Als Zeitraum ist die erste oder zweite Jahreshälfte vorgeschrieben. Daher ist für unser Projekt als Startzeitpunkt der 1. Juli mit einer Dauer von sechs Monaten vorgesehen - bei verzögertem Start auch länger. 

 

Die Einstellung der Mitarbeiter erfolgt durch das Sheptytsky-Hospital, das auch als langjährige Klinik in der Ukraine die operative Führung übernimmt. Als Personal sollen Personen aus der betroffenen Region gewonnen werden, die durch Zerstörung der medizinischen Einrichtungen ihren Arbeitsplatz verloren haben und bei denen die Hoffnung besteht, dass sie langfristig dort tätig bleiben werden.

 

 

 

Wir benötigen Ihre Zustimmung zum Laden der Übersetzungen

Wir nutzen einen Drittanbieter-Service, um den Inhalt der Website zu übersetzen, der möglicherweise Daten über Ihre Aktivitäten sammelt. Bitte prüfen Sie die Details und akzeptieren Sie den Dienst, um die Übersetzungen zu sehen.